Als Vorlauf zu meinem Tryout wollte ich Bedürfnisse von den interviewten Studierenden und dem Studiengangsleiter abholen. Von beiden Studierenden wurde die soziale Situation im Studiengang speziell geschätzt. Eine Studierende gab an: «Man hat ja in so einer Situation so viele Hirne, die da zusammen rum sitzen, von denen man profitieren kann.»
            Karim Benammar spricht auch immer wieder über dieses Thema. Er nennt diesen Nutzen „make best use of that Diversity“
1. Georg Weinand (Dramaturg DasArts) nennt die soziale Situation ein „collectiv thinking body“, was ich eine sehr schöne bildhafte Bezeichnung finde. (Siehe auch „5.1. Meine Rolle als Moderatorin – Mein Interagieren als künstlerischer Prozess“)

Aussage einer Studierenden: «Explizite Fragen tun gut, und sind fördernd. Wenn man sich ganz in ein Werk hin eindenkt und Sachen fragt wie z.B.: „Was würde das denn heissen, wenn es so und so wäre?“ Was ich mir wünsche ist ein grundsätzlicher Respekt, oder vielleicht ein Nicht-Werten in richtig und falsch. »Der Studiengangsleiter hob folgenden Moment hervor: «Das ganz einfache vor dem Werk zusammenstehen und ratlos sein. Das wird immer als Schwäche gefühlt, als Angst davor, das Werk selbständig sprechen zu lassen.»
            Ich finde, das ist ein sehr spannender Aspekt, aus dem man im Kontext vom MAE b&v vielleicht sogar ein eigenständiges Format erstellen könnte: In einer vorgegebenen Zeit soll explizit das Werk betrachtet werden, ohne zu sprechen. Diese Vorkehrung erscheint mir deshalb sinnvoll, weil der Studiengang sich im Departement „Vermittlung und Kulturanalysen“ befindet und nicht im Departement „Medien & Kunst“. Dies bedeutet, es herrscht hier eine Gewohnheit über Werke zu sprechen – nicht aber diese selbst sprechen zu lassen. (Siehe „4.3.3. Das Showing und die Angst vor der Leere“)

 

1 Faber/Weinand/DasArts: A Film about Feedback (DVD).